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Fussballticker Porz-Online.de *** SONDERAUSGABE *** Abschied Michael Lejan

SpVg. Porz bereitete scheidendem Michael “Micou” Lejan ein rauschendes Karriereende

37-jähriger wurde mit tollem Überraschungs-Event und alten Freunden in den Fußball-Ruhestand verabschiedet

Eine Legende macht Schluß. Michael “Micou” Lejan (re.), einstiger Bundesligaprofi beim 1. FC Köln, beendete gestern endgültig seine große und aufregende Fußballerkarriere bei der SpVg. Porz.

Das der einstige Fußball-Bundesligaprofi Michael Lejan seine Fußballerkarriere ausgerechnet bei der SpVg. Porz beenden würde, damit konnte vor vielen Jahren nun wirklich keiner rechnen. In den vergangenen drei Jahren bewies der mittlerweile 37-jährige sympathische Sportsmann eindrucksvoll, das er noch locker auf Bezirks- und Landesligaebene mithalten kann und er gerade für die jungen Kicker bei der SpVg. eine absolute Respektsperson verkörperte. Die SpVg. hat genau das erkannt und schenkte „Micou“, in Anlehnung an die Spielweise des einstigen französischen Bundesligaprofi Johan Micoud beim SV Werder Bremen und wie Lejan in Porz wegen seiner störrischen Ruhe am Ball genannt wurde, einen rauschenden Abschied.

Bis zur letzten Minute war das Abschiedsgeschenk geheimgehalten worden, wo sich insbesondere SpVg-Trainer Jonas Wendt mächtig ins Zeug legte, um seinem ehemaligen Mitspieler einen grandiosen Abschied zu kredenzen. Der Porzer Trainer spielte mit Lejan seit 1995 in der der D-Jugend beim 1. FC Köln und schätzte ihn von Anfang an. Wendt: „Seine Art und sein Können, diese Kombination gibt es ganz ganz selten im Fußball. Einfach ein wunderbarer Zeitgenosse dem wir viel zu verdanken haben, ich aber auch sicher bin, das er sich nichts besseres hätte vorstellen können, als die letzten 3 Jahre seiner Karriere derart ausklingen zu lassen.“

Jonas Wendt (li.) und Michael Lejan verbrachten ihre Jugend beim FC

In einer großartig angelegten Vorbereitungsaktion gelang es Wendt, viele alte Weggefährten von einem tollen Abschiedsspiel für „Micou“ am gestrigen Sonntag in Porz zu begeistern. Und alle die gerufen wurden, kamen auch. Vom Wupptertaler SV, vom VfL Osnabrück, Fortuna Köln und Viktoria Köln kamen ehemalige Mitspieler wie Hüzefeye Dogan, Dennis Dowidat, Massimo Cannizaro, Silvio Pagano, Tim Jerat, Marcus Ortlieb, Marco Neppe, Dirk Heinzmann, Tobias Willers sowie Trainer Christoph John und viele mehr. Aus FC-Zeiten kamen Spieler und Trainer aus der Jugend und dem Amateurbereich. Lejan ist eigentlich ein Vertreter der ruhigeren Fraktion, doch die Ereignisse am vergangenen Sonntag rüttelten doch sehr an seiner Vergangenheit und Emotionalität, so dass manches Tränchen über seine Backen floss.

Sein Vater war belgischer Armeeangehöriger, wo mehrere Stationierungswechsel mit erforderlichen Wohnwechsel verbunden waren, er letztlich dann in Köln landete. Seine ersten fußballerischen Karriereschritte begann er in der Jugend von Blau-Weiß Werl und ab 1992 spielte er im Nachwuchs der Sportfreunde Siegen. Uwe Helmes, damaliger E-Jugendtrainer in Siegen und Vater des ehemaligen FC-Profi Patrick Helmes, brachte Lejan in die Jugend des 1. FC Köln. Über die Reservemannschaft in der Oberliga und Regionalliga, stieß er dann in der Saison 2003/2004 zu den FC-Profis, wo er unter Trainer Marcel Koller zweimal in der Bundesliga zum Einsatz kam.

Der junge “Micou” beim FC: Jung, jünger, Lejan…

Lejan: „Ich habe elf traumhafte Jahre dort erlebt, meine ersten Schritte im Seniorenbereich gemacht und zweimal Bundesliga spielen dürfen.” Es war am 11. April 2004, als Lejan die ganz große Bühne betrat: Der schnelle Außenstürmer wurde in der Partie gegen Hannover 96 nach 69 Minuten für Albert Streit eingewechselt, am Ende der Saison stand jedoch ein weiterer FC-Abstieg – und Trainer Koller wurde entlassen. Lejan erhielt auch für die 2. Liga einen Profivertrag, allerdings setzte eine schwere Zeit für den Belgier ein, die vier Monate von Verletzungen und Enttäuschungen gekennzeichnet waren. „Ich habe unter dem neuen Trainer Huub Stevens damals die komplette Vorbereitung mitgemacht, aber dann hat mich ein hartnäckiger Faserriss zurückgeworfen.” Lejan verlor den Anschluss und rückte zurück ins Amateurteam.

Mannschaftsfoto des 1. FC Köln 2004/2005

In der Saison 2005/2006 wechselte er mangels Perspektive in Köln zum Regionalligisten Wuppertaler SV, wo er schnell zum Stammspieler aufstieg und im linken Mittelfeld, als „6er“ und auch als Außenverteidiger seine kreative Vielfältigkeit unter Beweis stellte. Am 9. Spieltag der Saison 2006/2007 erzielte er im Spiel gegen Dynamo Dresden mit einem fulminanten Volleyschuss aus 30m ein sagenhaftes Tor, was für das „Tor der Woche“ in der ARD-Sportschau nominiert wurde. Lejan: „Ja, da hat wirklich alles gepasst und es ist mir natürlich heute noch in bester Erinnerung. Leider blieb mir eine Ehrung verwehrt, weil der damalige FC-Keeper der U23 Paucken zur gleichen Zeit mit einem Fallrückzieher traf und dagegen hatte ich dann keine Chance“, wo ihm beim Erzählen aber gleich ein Lächeln über die Lippen kommt.

Das große Highlight seiner Karriere. Im DFB-Achtelfinale mit dem Wuppertaler SV gegen den FC Bayern München vor 60.000 Zuschauer in der Schalker Arena.

„Ich habe sehr schöne Jahre beim WSV verbracht”, wobei ihm ein besonderes Highlight im Gedächtnis geblieben ist. „Im Achtelfinale des DFB-Pokals trafen wir auf den großen FC Bayern, und das in der riesigen Schalker Arena. Zur Halbzeit stand es 2:2 und wir haben zur Pause wirklich an eine Überraschung geglaubt. Am Ende hieß es dann 2:5 für die Bayern, doch das Erlebnis vor 60.000 Zuschauer gegen Spieler wie Franck Ribery, Phillip Lahm und Miro Klose gespielt zu haben, war schon etwas Außergewöhnliches.“ Mit dem WSV stieg er 2008 in die 3. Liga auf. Im Sommer 2009 wechselte Lejan zum Ligakonkurrenten VfL Osnabrück und stieg mit dem Klub 2010 in die 2. Bundesliga auf. Auch hier stand ihm letztendlich das Verletzungspech im Weg, so dass er von der Bank den Abstieg in die Drittklassigkeit miterleben musste.

“Micou” Lejan mit dem VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga

Lejan schloss sich 2012 dem Regionalligisten Fortuna Köln an, wo er als Tabellenzweiter knapp am Aufstieg in die 3. Liga scheiterte. Im Sommer 2013 wechselte er zum Regionalligisten Alemannia Aachen, wo er zum absoluten Leistungsträger avancierte und jedes Spiel absolvierte.

Zwei supertolle verletzungsfreie Jahre bei Alemannia Aachen

Zwei Jahre später zog es ihn wieder nach Köln wo er sich 2015/2016 dem Ligakonkurrenten Viktoria Köln anschloss.

Die Rückkehr in die Kölner Heimat zum FC Viktoria Köln

Nach dem Ende der Saison 2016/2017 beendete er sein Engagement auf Profiebene, konnte aber nicht vom Leder lassen und schloss sich dem Kreisligisten FC Bensberg an, wo sein alter Freund Jonas Wendt Trainer war. Wendt wechselte dann zum Bezirksligisten SpVg. Porz und konnte „Micou“ von einem weiteren Wechsel an die Porzer Brucknerstraße überzeugen. Mit der SpVg. stieg er 2018/2019 in die Landesliga auf, wo er absoluter Leistungsträger war und jetzt seine Fußballerkarriere endgültig ausklingen ließ.

Auch für Ex-Nationalspieler und SpVg-Ehrenmitglied Wolfgang Weber war Michael “Micou” Lejan ein absoluter Ausnahmespieler, der in Porz nur sehr schwer zu ersetzen sein wird.

Und so war die geheime Abschiedsveranstaltung, von SpVg-Coach Jonas Wendt bestens organisiert, minutiös geplant. Bei der Ankunft von Lejan bildeten die Spieler der SpVg. Porz einen Spalier und begrüßten ihren scheidenden Schützling mit Beifall-Ouvertüren.

Lejans alte Mannschaft stand Spalier und empfing “Micou” fürstlich.

Und als er den ersten Begrüßungs-Marathon hinter sich hatte, kamen dann die einzelnen Überraschungsspieler früherer Tage und Wege nacheinander aus den Katakomben auf ihn zu. Es gab ein herzliches Wiedersehen mit den Akteuren, dabei war Lejan des öftern absolut sprachlos, dass der ein oder andere Fußballkumpel und Trainer alter Tage plötzlich vor ihm stand und zum Abschiedsspiel gratulierte.

Beim überraschendem Wiedersehen der alten Weggefährten wars dann auch mit der störrischen Ruhe und Gelassenheit von Lejan vorbei. Sichtlich gerührt begrüßte er jeden einzelnen und konnte es nicht fassen.

Lejan war sichtlich gerührt und bei seiner kleinen Dankesrede stockte ihm mehrfach der Atem, so dass man nur erahnen konnte, wie nah ihm diese phantastische Überraschung ging. Er dankte allen Anwesenden für die wunderbare Zeit, die er mit dem Fußball haben durfte und dabei wunderbare Menschen treffen konnte. Der größte Dank galt aber seiner Frau und seinen Kindern, denn insbesondere in der Zeit beim VfL Osnabrück, wo er als Profi tätig war, musste die Familie doch sehr viel auf den Mann und Vater verzichten.

Dann ging es in die Katakomben zur letzten Mannschaftsbesprechung und beide Teams betraten den Platz. Lejan führte in extra gefertigten Abschiedsspiel-Trikots das „Micou Lejan-Allstar-Team“ an. Die Zuschauer bekamen ein sehr abwechslungsreiches Spiel zu sehen und schnell wurde klar, dass die Spieler von einst nichts verlernt hatten wenn es um das runde Leder ging. So mussten dann doch einige junge Porzer Landesliga-Kicker erfahren, wie es ist, wenn so ältere gestandene Fußballer mit ihrer ganzen Erfahrung im richtigen Moment den ganzen Körper mit Timing einsetzen und sich damit den entscheidenden Vorteil verschaffen.

Das Ergebnis (6:5) war mehr als zweitrangig, wichtiger war der Umstand das „Micou“ sich in seinem letzten Spiel natürlich auch in die Torschützenliste eintrug. Und das tat er und wie! Ein Tor der besonderen Art mit der Hacke. Im richtigen Moment hatte er den richtigen Riecher und lochte die Kugel mit der Hacke ins Netz. Ein zweiter Treffer vom Elfmeterpunkt blieb dem alten Strategen im zweiten Abschnitt versagt.

Eine stolze Auswahl: Das “Micou Lejan Allstar-Team”

Der zweite Durchgang wurde von “Neu-Referee” Mike Dauvermann geleitet, der die Halbzeit auf Wunsch des Allstar-Team fast 50 Minuten laufen ließ, sich dabei auf einen Weisheitsspruch von Ex-Nationalspieler Wolfgang Weber besann, dass ein Schiedsrichter „den Mittelkreis nicht verlassen sollte, ansonsten begeht er einen Fehler“… Dauvermann hatte damit die Partie bestens im Griff und verdiente sich Bestnoten. Dann kam für Lejan der letzte fußballerische Schlusspfiff. Danach genossen beide Teams bei Speis und Trank den Abend, saßen noch etliche Stunden beieinander und erzählten sich Geschichten aus der guten alten Zeit.

Zwei Legenden im Plausch: Links Wolfgang Weber, Ex-Nationalspieler und Ehrenmitglied der SpVg. Porz mit Christoph John, seit Mai Leiter des NLZ bei Viktoria Köln und langjähriges FC-Trainer-Urgestein

Das letzte Wort gab dann Jonas Wendt seinem alten Jugendfreund Lejan mit gewohnt ironischer Würze mit auf den Weg. Dabei hatte er schnell die Lacher auf seiner Seite: „Micou, spätestens beim heutigen Abschiedsspiel hat man gesehen dass es längst überfällig war, dass Du deine Fußballschuhe an den Nagel hängst. Alles was Dich mal ausmachte ist weg. Kein Charisma mehr, keine Haare mehr, kein Tempo. Ich bin froh dass Du von alleine aufhörst, wie hätte ich Dir sonst erklären sollen, dass es maximal für die Bank reicht..?“ Da musste sich dann auch Lejan vor Lachen biegen und hatte wieder feuchte Augen.

Dann war auch hier Feierabend und der letzte machte das Licht aus.
„Micou“ wird dem Fußball erst mal den Rücken kehren und sich seiner weiteren beruflichen Laufbahn zusammen mit Tim Jerat widmen. „Am meisten freue ich mich über die freien Wochenenden, wo ich endlich für meine Frau und meine Kinder da sein kann und das absolut genießen werde. Die Fußballerzeit bleibt natürlich unvergessen und hat mir sehr viel gegeben. Aber ich freue mich jetzt auf die neue Zeit die jetzt kommt“, sind ehrliche und klare Worte von einem sympathischen Sportsmann, der einen klaren Plan und Weg nach seiner tollen Fußballerkarriere hat.

Au revoir Micou

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Epilog:
Lieber Micou, im Namen des gesamten Porzer Fußball möchten wir Dir ein dickes Dankeschön sagen, dass Du auf Deine alten Tage noch 3 Jahre in einigen Porzer Stadien und Arenen zu sehen warst. Mit solchen Typen wie Du lebt der Fußball, gerade hier in unserer kleinen Porzer Fußballwelt.
Bleib gesund und alles Gute,

Fussballticker Porz-Online.de (WK)

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