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Risiken bei Klima und Wasser, Halbwahrheiten zum Thema Verkehr

Bürgerverein fordert Stopp des Städtebau-Wettbewerbs

Kommunalpolitiker zeigten sich von Fakten beeindruckt beim „Runden Tisch“ in Zündorf

Bürgervereins-Vorsitzender Hans Baedorf bei einem der zahlreichen kurzen Vorträge, die von den Zündorfern für ihre politischen Gäste vorbereitet worden waren.Der Bürgerverein Zündorf e.V. hat Stadtspitze und Kommunalpolitik erneut aufgefordert, den städtebaulichen Wettbewerb „Zündorf Süd“ sofort zu stoppen. Sorgfältige Analysen in Vorstand und Arbeitsgruppen des Vereins, der inzwischen rund 160 Mitglieder zählt, haben nämlich ergeben, dass zwingende Voraussetzungen für ein solches Verfahren nicht erfüllt sind. Erst nach unabhängiger fachgutachterlicher Klärung schwerwiegender Fragen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz sowie Verkehrserschließung könnten, wenn überhaupt, Städteplaner ans Werk gehen. „Fehlende Voraussetzungen für einen solchen Wettbewerb können später im Verfahren nicht mehr geheilt werden. Dann sind unter Umständen Honorare aus Steuermitteln in Millionenhöhe vergeudet“, urteilt Hans Baedorf, 1. Vorsitzender des Vereins und als Diplom-Ingenieur und Planer professioneller Kenner der Materie.

Bei einem „Runden Tisch“ hat der Bürgerverein kürzlich die Rechercheergebnisse Vertretern der politischen Parteien, insbesondere aus dem Stadtentwicklungsausschuss des Rates, sowie der umliegenden Bürgervereine und des Vereins für das rechtsrheinische Köln vorgestellt. Die Überraschung stand vielen Gästen des Bürgervereins ins Gesicht geschrieben – schon als sie im Rahmen einer Planwagenfahrt die Größe des geplanten Baugebietes und seine topographische Lage hautnah kennenlernen konnten. Aber erst recht, als sie von verschiedenen Arbeitskreis-Mitgliedern aus dem Bürgerverein die Fakten präsentiert bekamen.

 

Exkursion ins Plangebiet: Vor dem Workshop zeigten Mitglieder des Bürgervereins Zündorf e.V. ihren Gästen das riesige Areal und auch die zahlreichen lange schon existierenden Defizite in der Zündorfer Infrastruktur.„Zündorf Süd“ schädigt ein wichtiges Kaltluft-Entstehungsgebiet und eine sommerliche Ventilationsbahn für kühle Winde. Das hat fatale Folgen für die überhitzte und unter schlechter Luftqualität leidende Kölner City. Die großflächige Versiegelung in unmittelbarer Nähe zum wichtigsten rechtsrheinischen Trinkwasser-Werk bedroht dieses. Das Bauen in alten Rheinarmen ist überdies teuer und risikoreich. Und zur Leistungsfähigkeit der Verkehrsanbindung für die mögliche neue Kleinstadt wird offenbar gern mit Halbwahrheiten operiert. Weder ist von der Verkehrsleistung einer verlängerten Linie 7 viel Gutes zu erwarten noch von einer unbrauchbaren und große Umwege provozierenden neuen Straße, die so, wie sie geplant wird, weder die Zündorfer noch die Kommunen im Umland realisiert wissen wollen. Das aber hindert die Stadt nicht daran, über einen Vertrag, die Straße gleichwohl zu bauen, bereits jetzt mit dem Land zu verhandeln.

Dass der Bürgerverein sich und seine Arbeit im Rahmen der Bürgerbeteiligung nicht ernst genommen sieht, verwundert angesichts dieser Lage kaum. Vorsitzender Hans Baedorf und sein Stellvertreter Reiner Lindlahr berichteten jedenfalls von quälenden Auseinandersetzungen um Protokolle von Workshops ebenso wie von gezinkten Karten. Je nach dem, vor welchem Publikum sie präsentiert, haben auf den Karten der Stadtverwaltung die im Porzer Süden geplanten Neubaugebiete ganz andere Zuschnitte und die Zahl ihrer künftigen Wohneinheiten schwankt gewaltig. „Auf einer solchen Basis kann man nicht vernünftig miteinander diskutieren“, so das einhellige Urteil des Bürgervereins-Vorstandes.

Als erstes Ergebnis des „Runden Tisches“ wird es zur kommenden Sitzung des Stadtplanungsausschusses am 19. März von FDP, Piraten und Freien Wählern eine gemeinsame Anfrage an die Verwaltung geben. Das aber dürfte nicht reichen. „Der nächste und entscheidende Zielfindungs-Workshop am 17. April muss erst einmal verschoben werden. Das kann und sollte der Oberbürgermeister als Chef der Verwaltung jetzt anordnen“, so Bürgervereins-Vorsitzender Hans Baedorf.

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